Liberalismus und Nationalismus 1815-1848

Nach 1815 wurde die liberale und nationale Bewegung in Deutschland zurückgedrängt und die Fürsten gewannen praktisch ihre alte Rechtsstellung zurück. Bei vielen Bürgern führte dies zu Resignation und Rückzug ins Private. Die Entstehung des Biedermeier ist ein symptomatischer Ausdruck dafür. Viele Liberale gaben ihren Kampf für ein geeintes und freies Deutschland nicht auf, trotz polizeilicher Unterdrückungsmaßnahmen (besonders in Österreich, aber auch in Preußen). Nur in den meisten süddeutschen Staaten waren nach 1814/15 Verfassungen in Kraft gesetzt worden, die liberale Züge trugen, so dass von hier aus immer wieder Anstöße in Richtung auf liberale Veränderungen möglich waren. Größere liberale und nationale Manifestationen, wie die Gründung der Deutschen Burschenschaft 1815  in Jena sowie das Wartburgfest 1817, blieben zunächst ohne größere Resonanz. Erst durch die Juli-Revolution von 1830 in Frankreich erhielten die Liberalen in Deutschland einen erneuten Aufschwung und erreichten in weiteren deutschen Bundesstaaten (Hannover, Braunschweig, Hessen-Kassel, Sachsen) Verfassungen mit liberalen Inhalten. Mit dem Hammbacher Fest von 1832 erlebte die liberale und nationale Bewegung einen Höhepunkt. Die Zusammenkunft war eine Manifestation nationaler und liberaler Sehnsüchte. Für die nächsten Jahrzehnte konnte man

sogar von einer Einheit von Liberalismus und Nationalismus sprechen. Beide erschienen als deckungsgleich: Man konnte sich nur ein geeintes und freiheitliches Deutschland vorstellen. Jedoch kamen die Liberalen trotz aller Bemühungen ihren politischen Zielen kaum näher. Liberale Manifestationen wurden unterdrückt, so wurden z.B. Sieben Göttinger Professoren, darunter Wilhelm Grimm und Wilhelm Dahlmann, nach einem Protest gegen die Aussetzung der Hannoverschen Verfassung ihres Amtes enthoben. Eine Dynamik, die sich auch politisch auszuwirken begann, entwickelte sich dagegen im wirtschaftlichen Bereich. Der Beginn der wirtschaftlichen Einigung Deutschlands war 1834 die Errichtung des Deutschen Zollvereins unter preußischer Führung. Das einheitliche (klein-) deutsche Wirtschaftsgebiet förderte die Entwicklung der Industrie nachhaltig und stärkte politisch das Bürgertum als Träger der neuen Wirtschaft.

Dadurch traten wiederum liberale Prinzipien hervor, diesmal allerdings im wirtschaftlichen Bereich:

Zunehmend galt in ganz Deutschland das Prinzip des Freihandels, der Warenverkehr in Deutschland lief mehr und mehr ohne Hemmnisse ab. Der Staat überließ die Wirtschaft der Gesellschaft, den Einzelmenschen. Diese würden die wirtschaftlichen Dinge schon insgesamt vernunftgemäß und letztlich zum Wohle aller erledigen, wenn auch der Einzelne zunächst vor allem nur seinen eigenen Vorteil sieht.

Das Bürgertum als Vertreter der aufstrebenden und der liberalen Ideen setzte im wirtschaftlichen Bereich seine Vorstellungen schrittweise durch: