Liberalismus 1966 bis 1982

Die Liberalen nutzten die Zeit der Großen Koalition (CDU/CSU/SPD) zur ideologischen Neubestimmung und Umorientierung. Eine neue Dynamik gewann die FDP mit der Ablösung des Nationalliberalen Erich Mende durch Walter Scheel im Parteivorsitz (Wahlslogan 1969: „Wir schneiden die alten Zöpfe ab”). Die Ost- und Deutschlandpolitik gab einen Anstoß zu neuer Programmatik und zum Wechsel des Koalitionspartners.

Es begann die hohe Zeit der Theorie-Diskussion (Karl-Hermann Flach, Werner Maihofer, Walter Scheel, Ralf Dahrendorf). 1971 erschien die „Grüne Bibel” der Liberalen: Karl-Hermann Flach schrieb „Noch eine Chance für die Liberalen”.

Im selben Jahr wurden auf dem Freiburger Parteitag die „Freiburger Thesen” verabschiedet, die der damalige Generalsekretär Flach als „im Grunde nichts anderes (...) als eine Aktualisierung der Lehren von Friedrich Naumann” bezeichnete.

Der darin definierte „neue Liberalismus” setzte andere Akzente:

Hauptbetätigungsfeld: Bildungspolitik: ”Bildung ist Bürgerrecht”

Die ideologischen Unterschiede zu den Konservativen (CDU/CSU) und zu den Sozialdemokraten (SPD) kann man etwa folgendermaßen fassen:

Für die FDP ist die Freiheit der schlechthin konstituierende Wert mit absolutem Vorrang vor Gleichheit und Brüderlichkeit.

Die SPD hingegen postuliert eine „Gleichrangigkeit der Werte” (Orientierungsrahmen ‘85); die CDU erklärt, das Verhältnis der Grundwerte untereinander sei „stetigem Wandel” unterworfen, die Reihung könnte sich nach der geschichtlichen Entwicklung verändern (Mannheimer Erklärung 1975).