Deutschland bis 1815

Deutschland war um 1800 noch weitgehend agrarisch geprägt. Die wirtschaftliche Stellung des Bürgertums war noch schwächer als die in Frankreich vor 1789. Liberale Ideen waren gleichwohl in Deutschland bereits weit verbreitet. Viele Schriftsteller, Philosophen und Künstler waren liberal gesonnen. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Immanuel Kant (1724 - 1804) und Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835) waren herausragende Wegbereiter des Liberalismus. Die beiden mächtigsten Staaten in Deutschland verstanden sich im 18. Jahrhundert als aufgeklärte Monarchien: Österreich unter Joseph II. und Preußen unter Friedrich dem Großen.  1794 waren in Preußen durch das Allgemeine Landrecht liberale, rechtsstaatliche  Prinzipien kodifiziert worden. In Deutschland gelang der große Durchbruch liberaler Ideen jedoch erst in der Folge der napoleonischen Eroberungen. Zunächst betraf dies die Rheinbund-Staaten, die unter dem Einfluss Frankreichs standen, aber auch Preußen, in dem nach der Niederlage 1806 eine umfassende Reformära begann. Freiherr vom Stein  (1757-1831) und Freiherr von Hardenberg (1750-1822), die treibende Kräfte dieser Bewegung, setzten gegen einen zögernden König eine Reihe von Reformen im liberalen Sinne durch:

In Deutschland weckte der Kampf gegen Napoleon Erwartungen, die bei vielen Deutschen die Hoffnung auf Nationale Einigung entstehen ließ. 1813/15 verbündeten sich Liberalismus und Nationalismus erstmals in Deutschland. Jedoch wurde die große Hoffnung auf nationale Einheit und eine politische Ordnung nicht erfüllt. Alles Streben nach Einheit und Freiheit wurde immer stärker unterdrückt und die Herrschaft der Fürsten blieb unangetastet.

Hinter den Reformen in Preußen wurden grundlegende Prinzipien und Überzeugungen liberalen Handelns sichtbar: